Helges Geschichte

Helges Geschichte



Hallo liebe Sternenmamies,
Meine bzw. unsere Geschichte begann zu Weihnachten ganz offiziell. Unser 2. Kind war auf dem Weg. Erst war es ein „Schock“ da die Lebenssituation von mir und meinem Mann aktuell sehr stressig ist. Hausbau und 1,5 Jahre alten Sohnemann der mich noch sehr braucht. Aber der Altersabstand zwischen den beiden wäre so toll gewesen. Auch weiterhin zuhause bleiben zu können, in der aktuellen politischen Situation, war eine positive Erleichterung.

Also erzählten wir allen von Helge.

Doch dann ging es los. Erste Diagnose in der 12. Woche - Nackenödem. 4,2mm viel zu dick!
Also machten wir einen harmony Test. Diese 2 Wochen waren so lang….
… dann kam der Befund: negativ.
Gott sei dank

Aufatmen.

Doch dann ging es erneut los: Nackenfalte verwuchs sich, jedoch war zu wenig Fruchtwasser da. Und die Entwicklung hing zeitlich hinterher.

So kam es, dass ich alle 2 Wochen zu anderen Ärzten fuhr. Da kam heraus, dass Helge wohl einen Herzfehler habe.
Um auf Nummer sicher zu gehen, führ ich nach Gießen in die Uniklinik.
Dort stellte sich nicht nur der Herzfehler heraus, sondern ebenso, dass Helge keine Nieren hat oder sie zumindest nicht zu sehen sind. Also wurde mir, von dem eh nicht vorhandenen Fruchtwasser, eine Punktion sowohl aus der narbelschnur, als auch vom Fruchtwasser selbst genommen.
Nach Gießen wurde uns bewusst, dass es für Helge sehr schlecht aussieht. Wenige Tage später fuhr ich wieder zu meinem Frauenarzt der sich den Befund von Gießen anschaute und Tacheles mit mir sprach.

Helge hat keine Chance zu leben!

Er hat keine Nieren, keine Harnblase, die Magenblase wurde auch nicht gesichtet und das ausschlaggebende Argument war zum Schluss: die Lunge hat sich bereits verformt. Der Herzfehler wurde auch bestätigt, doch der war, im Vergleich zu den anderen Befunden, weniger tragisch.

Nun vergingen die nächsten Tage wie in einem Film. Ich musste ein Beratungsgespräch mit der Caritas führen , mit der speziellen Klinik einen Termin vereinbaren und mich überhaupt mit dem ganzen Prozedere auseinandersetzen. Hatte gehofft, Helge nicht Gebären zu müssen, aber doch! Das ist Pflicht. Zu dem Zeitpunkt kam mir das so unfair vor. Überhaupt fragte ich mich , warum? Mein erster Sohn ist kerngesund. Warum muss uns jetzt sowas passieren? Was ist ein Sternenkind? Was hat es mit den 500g auf sich? Was passiert mit solchen Kindern. Wie geht es danach weiter?

Dann, ein Wochenende später, zog ich in der Klinik ein. Bekam das Medikament zur Vorbereitung. Einen Tag später bekam ich das wehenmittel in Tablettenform. Ich hatte so Angst. Telefonierte sehr oft mit meinem Mann und logischerweise auch mit meinem Sohn per FaceTime. Und dann gingen die Schmerzen los. Sie waren nicht wie bei meiner ersten Geburt. Viel stärker, viel unangenehmer . Ich rief meinen Mann an. Gott sei dank hatten sie uns erlaubt , dass er dabei sein darf.
Es zog sich ca. 8-10h bis Helge da war. 22:19uhr kam er, wenn auch nur kurz, auf diese Welt.
Es war so schlimm, nichts zu hören. Klar, es war mir bewusst, dass es eine stille Geburt wird. Aber die Tatsache ist was anderes wie die Theorie.

Die Geburt habe ich seitdem immer und immer wieder vor Augen. Das schlimmste ist, Helge sehe ich nicht mehr ! Sein Gesicht ist nicht mehr klar. Aber ich traue mich noch nicht, die Fotos anzusehen, die wir haben machen lassen.

Es war schön, wie die Klinik sich um uns bemüht hat. Wie sie uns Zeit gaben, uns von Helge zu verabschieden. Ich hatte nicht gedacht, ihn ansehen zu können, geschweige denn ihn zu berühren. Aber ich tat es. Wir taten es. Wir verabschiedeten uns lange von Helge. Doch nicht lange genug. Meine beste Freundin kam vorbei, mitten in der Nacht, um ihn zu fotografieren. Sie ist Fotografin und hat zuvor schon in der Klinik gearbeitet. Und bot sich uns an. Auch das hätte ich nie gedacht, dass ich das zu lasse. Jetzt bin ich froh, dass es diese Bilder gibt. Das ich eines Tages, auf sie zurück greifen kann.

Nach einem Tag wurde ich entlassen.

Da weinte ich zum ersten Mal. Denn ich ging alleine. Kam zu zweit und ging alleine. Der Gedanke daran, Helge in der Klinik zu lassen, war so schmerzhaft. Mir tat generell alles weh. Nichts im Vergleich zu einer normalen Geburt.

Und wieder einen Tag später, rief mich die Seelsorge aus der Klinik an um alles weitere zu besprechen. Für uns war klar, wir beerdigen Helge. Auch wenn er keine 500g wog. Dieser Tag steht uns noch bevor.

Ich zünde jeden Tag eine Kerze für ihn an, entsende Grüße in den Himmel am Morgen und am Abend. Wir reden viel miteinander. Weinen zusammen oder alleine. Leben irgendwie weiter, allein schon wegen unserem „großen„ Sohn

Ich hoffe nach wie vor, dass mein kleiner Stern bei all den anderen Sternen ist und das es ihm gut geht.


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