Lotta - unsere Geschichte

Lotta - unsere Geschichte



Das ist unsere Geschichte, die von meiner kleinen Lotta, die im Sommer zu den Sternen reiste, und mir.

Am gleichen Tag als mein Partner mir - für mich wie aus dem Nichts heraus - eröffnete, dass er unsere Beziehung in Frage stellte, hielt ich den schon lange von uns beiden (!) herbeigesehnten positiven Schwangerschaftstest in den Händen. Eineinhalb Wochen später zog er aus der gemeinsamen Wohnung aus.

So sehr mir die Trennung weh tat, so sehr freute ich mich aber dennoch über das kleine Wesen in meinem Bauch. Es war eine schöne Schwangerschaft ohne große Übelkeit oder sonstige körperliche Schwierigkeiten und ich konnte die nächsten Ultraschalltermine immer kaum abwarten, voller Vorfreude mein Baby sehen zu können.

Als sich in der 16. SSW dann die Diagnose Trisomie 21 bestätigte brach für mich erstmal eine Welt zusammen. Ich hatte Angst, diese Herausforderung allein nicht meistern zu können, trauerte um all die Vorstellungen und Wünsche, die ich für mein Kind hatte, machte mir Sorgen um die Zukunft. Dank vieler Informationen und Gespräche, dank toller Menschen an meiner Seite und vor allem dank der bereits bestehenden Liebe zu meinem Kind, konnte ich mich aber schließlich klar für meine Tochter entscheiden und auch wieder positiv nach vorn schauen. Ich war stolz auf meinen wachsenden Bauch und genoss es, wenn ich meine Kleine spüren konnte.

In der 21. SSW wachte ich nachts auf und alles war nass. Schock. Blasensprung. Viel zu früh. Mit dem Rettungswagen wurde ich ins Krankenhaus gebracht, wo sich herausstellte, dass so gut wie kein Fruchtwasser mehr vorhanden war.

Sechs Tage lag ich mit strenger Bettruhe im Krankenhaus und hoffte, dass noch keine Wehen einsetzen, dass sich wieder Fruchtwasser sammelt, dass meine Kleine zumindest noch zwei Wochen in meinem Bauch hat um dann die Lungenreife unterstützen zu können… Gleichzeitig hatte ich Angst, was das alles bedeuten würde, welche Folgen es für mein Kind hätte, hatte Gespräche mit dem Kinderarzt welche Chancen und Risiken für mein Baby bestehen…

Sechs Tage hat meine Kleine zusammen mit mir gekämpft, durfte ich noch ihre Bewegungen fühlen, ihr Herzchen im Ultraschall schlagen sehen...

Doch dann bekam ich starke Unterleibskrämpfe und Blutungen, hatte eine fürchterliche Untersuchung bei einer sehr unempathischen Ärztin, die mich wieder zurück auf mein Zimmer schickte. Schon bald danach wurde ich von Station erneut in ein Wehenzimmer gebracht, wo ich eine Stunde lang allein blieb, ohne dass nochmal jemand nach mir sah, ohne PDA, ohne meine Schwester, die am Empfang warten musste. Allein mit meinen Schmerzen, meiner Angst, meiner Trauer.

Am 29.07.21, in der 22. SSW, kam meine Tochter Lotta still zur Welt. Ich hatte nach der Geburt nicht die Kraft, nicht den Mut sie anzuschauen, sie zu halten, war wie unter Schock. Leider wurde ich dabei auch nicht gut begleitet oder unterstützt. Schließlich musste ich noch zur Nachcurettage in den OP und wurde zumindest für kurze Zeit durch die Narkose aus dieser Situation erlöst…

Am nächsten Tag hatte ich Lotta in einem Körbchen bei mir im Zimmer, viel zu kurz, ohne sie rauszunehmen. Sie war so klein, so bezaubernd, so perfekt. Und ich so unsicher, so allein, so voller Trauer und Schmerz und gleichzeitig voller Liebe und Stolz.

Ich bin so unendlich dankbar und froh, dass ich einige Tage später dank einer lieben Freundin und der wunderbaren Rednerin für Lotta´s Abschiedsfeier noch einmal die Möglichkeit bekam, mich in aller Ruhe von meiner Tochter zu verabschieden, sie in den Arm zu nehmen, sie zu berühren, sie ausgiebig zu betrachten, diese viel zu wenigen und so kostbaren Momente mit ihr verbringen zu können. Dankbar und froh, dass diese Erinnerungen an mein wunderschönes kleines Mädchen von Tina von Dein Sternenkind festgehalten wurden.

Wie gern hätte ich meiner kleinen Lotta die Welt gezeigt und versucht diese mit ihren Augen zu sehen, wie gern hätte ich sie auf ihrem Weg begleitet, von ihr gelernt und wäre mit ihr gewachsen. Stattdessen fühle ich diesen Schmerz, dieses unendliche Vermissen, diese Sehnsucht. Und diese Liebe, die für immer bleibt.


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