Fabienne - vor über 30 Jahren

Fabienne - vor über 30 Jahren



Mein Name ist Anja und ich habe meine Tochter Fabienne vor über 30 Jahren verloren.

Mein erster Sohn war 5 Monate alt als ich erfahren habe, dass ich wieder schwanger war. Meine Freude war groß. Ich hatte mir immer gewünscht dass ich meine Kinder kurz hintereinander bekomme. Die zweite Schwangerschaft verlief ohne Probleme und Komplikationen.
Sieben Tage vor dem errechneten Geburtstermin hatte ich leichte Schmerzen. Ich bin dann zu meiner Frauenärztin gegangen und sie hat einen Ultraschall gemacht. Sie hatte damals nur ein kleines Ultraschallgerät , so dass ich nichts sehen konnte. Meine Frauenärztin sagte, es sei alles in Ordnung. Darauf bin ich wieder nach Hause gegangen, obwohl ich sehr nervös war.
An dem Freitagmorgen sagte ich zu meinem Mann das ich lieber zum Krankenhaus fahren möchte, weil ich das Gefühl hatte, das irgendetwas nicht stimmte. Im Krankenhaus angekommen schellte ich an dem Kreißsaal an und sagte der Hebamme, dass ich einen Arzt sprechen möchte. Es kam dann auch ein Arzt und er sagte zu mir, dass er als erstes ein Ultraschall machen wollte.

Ich legte mich auf die Liege und der Arzt fing an zu schallen, ohne ein Wort mit mir zu sprechen. In dem er den Ultraschall Kopf zur Seite legte ,sagte er zu mir: Tja Frau K. ihr Baby ist tot. Wir leiten dann mal die Geburt ein. Dann verließ er das Zimmer. Mein Mann und ich konnten nicht glauben was er da zu uns gesagt hat. Ich fing an zu weinen. Die Tür geht auf und es kam eine Ärztin rein. Sie schaute mich an und dachte ich hätte Angst vor der Geburt. Mein Mann erzählte ihr was der Arzt vor ihr zu uns gesagt hat. Die Ärztin war sehr einfühlsam und machte eine Stunde lang nochmal ein Ultraschall, um noch ein Lebenszeichen zu sehen. Sie sagte dann, dass es leider stimmt und die Geburt eingeleitet werden müsste. Sie verabschiedete sich von uns und sagte aber noch, dass sie das Wochenende frei hätte.

An diesem Wochenende passierte in dem Krankenhaus nichts. Die Geburt wurde nicht voran gebracht. Ich lag die ganze Zeit in einem Zimmer gegenüber vom Kreißsaal, ich hatte das Gefühl als ob man mich vergessen hatte. Am Samstagmittag ging mit Schwung die Zimmer Tür auf und eine Schwester schob eine Mutter mit ihrem neugeborenen Baby rein. Ich fing wieder an zu weinen. Mein Mann entschuldigte sich bei der Frau weil er sie wieder in Richtung Kreißsaal schob.
Auf dem Flur traf er eine Schwester und sagte zu ihr: Es wäre unmöglich mir das anzutun. Daraufhin erwiderte die Schwester: Wir sollten uns nicht so anstellen, das Leben geht schließlich weiter. Weiter geschah an diesem Wochenende nichts mehr.

Am Montagmorgen kam die liebe Ärztin in mein Zimmer und meinte: Sie liegen immer noch hier mit ihrem toten Baby im Bauch. Sie hat dann ihre ganzen Termine abgesagt und die Geburt voran getrieben. Es war eine schwere Geburt. Das letzte was ich hörte war: Wir verlieren die Mutter gleich auch noch. Danach wurde alles schwarz und ich bin auf der Intensivstation wieder wach geworden. Ich habe meine kleine Fabienne nie sehen können, es gibt kein Foto von ihr. Zur Beerdigung konnte ich auch nicht gehen weil ich noch auf der Intensivstation lag. Also konnte ich den letzten und einzigen Gang mit meiner kleinen Tochter auch nicht gehen. Es ist nach so vielen Jahren immer noch sehr schwer für mich weil ich nicht weiß wie sie ausgesehen hat, ich konnte sie nicht einmal in meinen Armen halten und konnte mich nicht von ihr verabschieden. In meinem Herzen wird sie immer bleiben.


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