Marielle – mein zweiter Einsatz für DSK

Marielle – mein zweiter Einsatz für DSK

Alarm am Mittwoch um die Mittagszeit, eine 41. SSW, Geburt nach plötzlichem IUFT gerade eingeleitet - glücklicherweise hatte ich ihn mitbekommen. Während der Arbeitszeit habe ich den Alarmton ausgeschaltet, da eine Arbeitskollegin letztes Jahr eine Fehlgeburt hatte und es ihr schwer fällt, wenn sie ständig mit dem Thema konfrontiert wird...Mein Handy liegt immer bei mir im Fach, aber die lieben Kollegen/innen weisen mich darauf hin, wenn es vibriert und sie es mitbekommen, da sie ja wissen, dass es der DSK-Alarm ist. Jedenfalls habe ich erstmal abgewartet, ob jemand den Einsatz übernehmen kann, weil ich sowieso nicht direkt los konnte und abends eigentlich auch keine Zeit hatte. Schnell wurde jedoch klar, dass es in der Gegend nicht so viele Fotografen gibt, also bot ich mich an, nach der Arbeit den Einsatz zu übernehmen. Ich hatte noch knapp 2 Überstunden und konnte etwas früher los, um meine Fototasche zuhause abzuholen und mich dann auf den Weg nach Hachenburg zu machen, was eine knappe Stunde Fahrtzeit bedeutete. Zeit, in der ich mich sammeln und emotional auf den Einsatz vorbereiten konnte.

Die Eltern waren einserseits dankbar, dass ich kam, aber auch sehr traurig. Ich fragte sie nach ihren Wünschen und erklärte, was wir machen könnten. Sie erschienen sehr unsicher, also fing ich einfach an zu fotografieren, zunächst im Bettchen, in dem Marielle lag, danach auf dem Bett neben der Mama. Ich sagte immer dazu, was ich jetzt mache, worauf die Eltern jedesmal zu weinen anfingen. Das hat mich ebenfalls verunsichert, deshalb fragte ich zwischendurch immer wieder, ob wir eine Pause machen sollten, was sie jedoch verneinten. Ich hatte das Gefühl, dass ich mir nicht ewig Zeit lassen konnte, da die Situation für die Eltern extrem belastend war. Marielle war wunderschön, wenngleich sich die Haut an den Augen schon gelöst hatte. Zwischendurch musste ich selbst mit den Tränen kämpfen, da es unbegreiflich war, warum so ein perfektes und "fertiges" Kind nicht leben durfte...Ich konnte auch einige Fotos mit den Eltern zusammen machen und sehr emotionale Momente einfangen.

Mein zweiter Einsatz war komplett anders als der erste, bei dem ich das Kind alleine fotografiert hatte. Mit den Emotionen der Eltern umzugehen und dabei zu fotografieren, fiel mir etwas schwerer, aber es war trotz allem ein schöner Einsatz. Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Eltern mir ihr Vertrauen geschenkt haben und als einige Monate später ein Brief sowie die Freigabe für Fotos eintraf, musste ich erneut weinen.
Marielle, du wirst mir immer in Erinnerung bleiben <3


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