"Nicht ohne den anderen" Teil 2

"Nicht ohne den anderen" Teil 2

Das Abschiednehmen unserer Tochter Freya saß sehr tief und doch musste ich mich auf Ihren Bruder konzentrieren. Schließlich wollten wir ihn gesund mit nach Hause nehmen.

Kein Tag verging, ohne dass ich meinen Mann und meine Kinder über Videotelefonie gesehen habe, jede Stunde schrieben wir miteinander, denn wir vermissten uns in dieser schweren Phase und versuchten einen Weg zu finden, um uns nicht zu verlieren und den Verlust zu verarbeiten und dennoch nach vorn blicken zu können.

Wir sagten uns immer, dass wir an unseren Sohn glauben, dass er es schafft, denn er ist stark.
Kein Tag verging, an dem wir nicht beide am Telefon miteinander weinten.

16.11.2020 gegen 7 Uhr:

An diesem Tag freute ich mich unheimlich auf meinen Mann, der mich besuchen wollte, denn ich durfte in den vergangenen Tagen immer mal eine kleine Runde laufen und kurz frische Luft schnappen.

Doch es war nicht mein Tag. Ich hatte schlecht geschlafen und fühlte mich irgendwie nicht fit und völlig erschöpft. Bei meiner morgendlichen Runde nach dem Frühstück bemerkte ich schon, dass heute etwas anders war. Kreislaufprobleme.

Nachdem ich die Runde gedreht hatte, legte ich mich wieder ins Bett und schlief ein.

Gegen 9 Uhr drehte ich die nächste Runde. Ich bemerkte, dass ich von meiner Station bis zum Fahrstuhl, was höchstens 30 Meter waren, arge Probleme hatte und schob dies einfach auf meinen körperlichen Verfall, da ich völligen Muskelverlust hatte durch das Liegen. Also dachte ich mir, Step by Step, laufe ich eben langsam.

Als ich an der frischen Luft war, bemerkte ich, dass ich es nicht schaffte und drehte um. Ich wollte schnell wieder auf Station in mein Bett, da mein Mann nachher doch kommen wollte.

Ich kam an der Station an und musste klingeln, dieses mal dauerte es sehr lang, bis jemand die Tür öffnete. Neben mir eine Reihe voller Stühle die alle besetzt waren von Patienten, die dort saßen.

Dort begriff ich, dass ich es nicht mehr schaffen würde bis in mein Zimmer und suchte mir Halt an der Wand und lehnte mich an um nicht wegzusacken. Dann passierte es. Ich rutschte langsam die Wand runter um mich auf den Boden zu setzen und dann kippte ich weg. Aus dem Augenwinkel sah ich nur noch wie eine Schwester gerannt kam, dann wurde es dunkel.

Tatsächlich bin ich völlig zusammen gesackt und keiner konnte mir erklären warum.

Als ich mich ein paar Minuten später wieder in meinem Zimmer befand, rief ich meinen Mann unter Tränen an und entschuldigte mich, dass wir uns leider nicht sehen können. Er fragte mich, was los war und ich erklärte ihm die Situation. Ich hatte Angst, dass er böse ist, doch er nahm mir diese Angst.

Mir ging es hundeelend, ich bekam Infusionen und schlief den ganzen Tag - warum auch immer.

16.11.2020 gegen 15 Uhr:

Ich bemerkte, dass ich den ganzen Tag schon leichte Unterleibsschmerzen hatte, jedoch nicht so schlimm, dass ich die Ärzte informiert hatte, denn ich wollte keine unnötige Panik verbreiten. Jedoch bat ich dann später schließlich darum, dass ich gern möchte, das man einen Ultraschall macht, ich hätte ein komisches Gefühl.

„Ach Frau D. machen Sie sich keine Gedanken, ihr Körper hat einen Verlust zu verarbeiten, es wird daran liegen“.

„Hatte ich da gerade richtig gehört? Sie verweigern mir die ärztliche Untersuchung? Nicht mit mir !"

Die Ärztin gab irgendwann klein bei und versprach, mit dem Arzt zu sprechen der an diesem Tag Dienst hatte, dieser würde dann vorbei kommen.

Gegen 18 Uhr wurden meine Schmerzen schlimmer und ich hatte das Gefühl, ständig nass zu sein in der Hose. Beim Toilettengang bestätigte sich genau das. Jedoch war da nichts Grünes, daher hatte ich keine Panik, dennoch klingelte ich und sagte noch einmal Bescheid.


Die Ärztin holte mich mit Ihrer Assistenzärztin und fuhr mich ins Untersuchungszimmer. Man machte Ultraschall und unserem Babyboy ging es gut. Die vaginale Untersuchung blieb mir leider dennoch nicht erspart. Man machte einen Abstrich und sagte mir, dass es kein Fruchtwasser sei, sondern einfach Scheidensekret.

Meine Gedanken in diesem Moment weiß ich noch wie heute:

„Hä, Scheidensekret, so viel? Spinnt die? Niemals !"


Nachdem ich schnell bemerkte, dass es völlig egal war, was ich sagte, da die Ärzte Ihre eigene Ansicht hatten, hielt ich inne und sagte einfach nichts mehr, doch mein Gefühl sollte mich nicht täuschen, denn ich kenne meinen Körper und mich am Besten.

Man schob mich zurück ins Zimmer und wünschte mir einen ruhigen Abend, ich solle mich ausruhen und mir nicht so viele Gedanken machen.

Der Druck auf meiner Blase wurde immer grösser, sodass ich auf die Toilette ging. Ich schleppte mich förmlich, denn die Schmerzen waren heftig. Meine ganze Einlage war voll mit Flüssigkeit und ich drückte die Klingel. Ich schmiss die Einlage in das Waschbecken um es dem Arzt zu zeigen, der Dienst hatte, damit man mich nicht wieder für „verrückt“ halten würde.

Dr. M. kam in mein Zimmer und schaute sich das an und sagte mir: „Oh...“, er vereinbarte noch im selben Moment einen Termin mit den Kinderärzten und dem Palliativteam um das weitere Vorgehen zu besprechen. Es dauerte keine Stunde, bis 4 Ärzte um mich standen, um mich über alle Möglichkeiten aufzuklären.

Die Kinderärztin machte den Vorschlag am 20.11 und 22.11 die Lungenreifspritze zu geben, da dann die Woche dafür erreicht wäre, vorher sagte Sie „hätte Ihr Kind sehr schlechte Chancen“.

Man klärte mich jedoch auch darüber auf, dass dies keinerlei Garantie dafür wäre, das dass Risiko einer Hirnblutung sehr hoch ist, ich jedoch jederzeit den palliativen Weg mit unserem Sohn gehen könne.

Dr. M. und die anderen Ärzte besprachen, dass sie abwarten wollen was passiert und ich segnete dies mit einem Nicken ab.

Ich rief meinen Mann an und erzählte ihm alles, dabei bemerkte ich seine Überforderung.

Es ist schwer in solchen Momenten irgendwelche Entscheidungen zu treffen, doch ich wollte ihn mit einbeziehen, das war mir wichtig. Ich beendete das Telefonat mit den Worten: „Alles wird gut, ich liebe dich“.

Ich versuchte, irgendeinen klaren Gedanken fassen zu können, dieses Gespräch mit den Ärzten ging mir nicht mehr aus dem Kopf und ich hatte 10000 Gedanken in meinem Kopf.

Gegen 21 Uhr:

Wieder bekam ich starke Schmerzen und bemerkte einen Schwall. Mein Weg ging wieder zur Toilette. Ich konnte mir kaum meine Hose ausziehen, so weh tat es. Beim runter ziehen meiner Unterhose blieb mir die Spucke weg. Grünes Fruchtwasser. Ich schrie! Ich weinte! NEIN NEIN NEIN sagte ich immer und drückte die Klingel.

Dr. M. kam erneut zu mir, sah das grüne Fruchtwasser und sagte nur noch folgendes zu mir:

„Frau D. es tut mir unheimlich leid, doch ich muss sie jetzt in den Kreißsaal bringen, rufen Sie Ihren Mann an, ich werde alles tun um Ihnen so gut wie möglich die Schmerzen zu nehmen“.

Ich schrie und Dr. M. nahm mich in den Arm und versuchte mich zu beruhigen.

Er war ein junger Arzt mit viel Gefühl und das Herz am richtigem Fleck.

21.31 Uhr rief ich dann meinen Mann unter Tränen an, ich glaube er konnte nicht realisieren was ich Ihm sagte und funktionierte nur. Er machte sich auf den Weg zu mir in die Klinik.

Zu diesem Zeitpunkt hatte meine Lieblingsschwester Schicht und die Schülerin die ich auch sehr mochte. Beide brachten mich in meinem Bett in den Kreißsaal, ich weinte und schrie fürchterlich den ganzen Weg.

Meine Lieblingsschwester versuchte mich zu beruhigen mit den Worten: „Ich denke an Sie Frau D. es tut mir so leid“.

„Das ist doch alles nicht real, das ist doch ein schlechter Film, nicht du auch noch, bitte bleib, wir lieben dich doch...“ dies waren meine Gedanken.

Als ich im Kreißsaal ankam, war ich in einem anderen Zimmer als bei der Geburt von Freya.

Es war meine grösste Angst, das ich im selben Zimmer sein müsste wie ein paar Tage vorher.

Die Schmerzen nahmen zu, doch Wehen hatte ich keine.


Dr. M. und die OÄ W. kamen zu mir und erklärten mir, dass man gern abwarten möchte ob die Wehen natürlich eintreten würden, wenn dies nicht der Fall wäre, würden sie diese dann gern am nächsten Morgen einleiten wollen. Man gebe mir jedoch Medikamente und ich solle mich nicht scheuen danach zu fragen, denn ich müsste keine Schmerzen mehr haben.

Dr. M. verabschiedete sich von mir, da sein Dienst endete und wünschte mir viel Kraft.

In diesem Moment war ich allein im Kreißsaal und fing an zu realisieren was jetzt passieren würde und das wir unser Kind erneut ziehen lassen müssen, da es viel zu früh für ihn war. Tränen der Verzweiflung liefen über mein Gesicht, denn ich konnte den Sinn hinter allem einfach nicht verstehen. Ich fühlte mich betrogen von dieser Welt.

Die Tür ging auf, mein Mann kam in den Raum. „Endlich bist du da“, sagte ich und er nahm mich in den Arm. Er weinte und zitterte am ganzen Körper.

Ich bekam ein Schmerzmittel nach dem anderen und als sich 0 Uhr immer noch nichts getan hatte, riet man uns ein bisschen zu schlafen. Mein Mann durfte sich auf das Geburtsbett legen, da ich in meinem Bett lag. Ständig schauten wir auf die Uhr und irgendwann schlief mein Mann vor Erschöpfung ein. Durch meine Schmerzen konnte ich kaum schlafen, die Wehen kamen auch, jedoch waren sie nicht ausreichend. Der Muttermund öffnete sich nur ganz langsam.

Zwischendrin gelang es mir dennoch immer mal wieder einzuschlafen, doch beim Erwachen ging mein erster Blick immer zu meinem Mann.

Ich schaute ihn minutenlang an und nahm dann mein Handy in die Hand um mir meine Gedanken aufzuschreiben, bevor ich es wieder vergessen würde.

Auszüge aus meinen Gedanken zu diesem Zeitpunkt:

„Du bist so schön, und doch bist du erschöpft. Du bist so stark und doch spüre ich jegliche Verzweiflung. Du bist so wundervoll, dass du mich nicht allein lässt und doch fühlst du dich allein.

Woher nimmst du die Kraft um ein zweites mal diesen schweren Weg zu gehen, wie machst du das?

Ich bin stolz auf dich für alles das was du für mich tust, trotz deiner eigenen Verzweiflung und Unverständnis über das was passiert. Ich liebe dich und weiß, dass du der Mann an meiner Seite bist, den ich nicht mehr missen möchte - nie wieder !"

Mein Mann wachte zwischendurch immer wieder auf und schaute nach mir, er streichelte meine Stirn und fragte mich wie es mir geht, ob ich dolle Schmerzen hätte.

Ich weiß noch, das ich geschockt auf die Uhr schaute und zu ihm sagte:

„Schatz, nicht doch... wir haben den 17.11. meine Schwester hat heute Geburtstag“ und weinte.

Diesen Tag wollte ich gern verhindern, denn meine Schwester freute sich auf die Zwillinge und nun sollte sie Ihren Geburtstag mit Ihrem Neffen teilen.

Es war gegen 7 Uhr und meine Wehen reichten immer noch nicht aus, die OÄ entschied sich, die Wehen einzuleiten. Ich bekam eine Infusion nach der anderen mit Schmerzmitteln, ich konnte kaum noch.

Ich glaubte zu wissen warum alles so lange dauerte, unser Sohn wollte nicht gehen. Selbst zu diesem Zeitpunkt bemerkte ich unseren Sohn immer noch im Bauch wie er sich bewegte. Die Vorstellung, ihn gehen lassen zu müssen war für mich absurd.

Gegen 10 Uhr waren meine Wehen so stark, dass uns die Hebamme sagte, es könnte jederzeit jetzt soweit sein. Unser Sohn lag jedoch quer und drückte mir auf den Steiß, sodass es zunehmend schwierig für mich wurde, denn es ging mir ab da an zunehmend schlechter.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur noch den Wunsch unseren Sohn endlich im Arm halten zu können.

Die Hebamme sagte: „Ich weiß, dass es schwer ist, aber lassen sie ihn frei, lassen sie los.."

Die Position im Bett wurde für mich zum Horror, also stellte ich mich ans Bett, mein Mann massierte mir den Steiß und den Rücken, das tat gut. Jedoch konnte ich nicht mehr stehen und wählte die Position auf die Knie zu gehen und mich an der Bettlehne abzustützen.

Ich presste.. „Ich glaube er ist da..“ sagte ich zu unserer Hebamme und schaute meinen Mann an.

10:35 Uhr unser Sohn Freyr ist geboren. Ich lehnte mich nach hinten und hatte Ihn zwischen mir liegen. Sofort schaute ich Ihn an und verliebte mich.

„Möchten Sie die Nabelschnur durchschneiden und ihren Sohn zu sich auf die Brust legen“?

Ich schaute meinen Mann an und fragte Ihn ob er die Nabelschnur durchschneiden möchte, doch er hatte Angst und daher verneinte er dies. Das war nicht schlimm, denn somit tat ich es. Jetzt wollte ich nur noch meinen Sohn auf meiner Brust. Mein Mann legte sich zu mir und nun hielten wir gemeinsam unseren Sohn Freyr in den Armen der nur 5 min und 10 Tage später wie seine Schwester Freya geboren wurde. Freyr lebte, doch ich wusste, dass er nicht lang bei uns bleiben würde.

Meine Hand lag um ihn, hielt ihn fest und ich sagte ihm innerlich:

„Unser großer Kämpfer, du bist wundervoll, es ist okay, geh ruhig, Freya wartet auf dich, wir lieben dich !"


Die OÄ kam ganz behutsam zu uns und musste schauen, ob unser Freyr noch einen Herzschlag hatte, dabei sagte die Ärztin das sie Freyr ein wenig anheben müsse, da sie meinen Herzschlag durch unseren Kämpfer hört.

Sie schaute mich danach an und streichelte mir über die Schulter mit den Worten: „Es ist okay..!“

Ich wusste in diesem Moment, dass er nun von uns gegangen ist.

Mein Mann weinte bitterlich und ich konnte ihm wieder nicht helfen. Wie gern hätte ich das doch tun wollen.

Wir beide wussten, dass ich in den OP muss und dadurch nicht viel Zeit mit Freyr hatte. Ich bat meinen Mann auf ihn aufzupassen und Ihn nicht allein zu lassen, solange bis ich wieder da wäre.

Mir ging es zunehmend schlechter, ohne dass ich es groß wahrnahm. Die Hebamme kam herein und sagte mir, dass ich sofort in den OP müsste. Sie schob mich sofort aus dem Kreißsaal in den Vorbereitungsraum vom OP. Meine Tränen flossen immer noch und es wurde nicht besser. Mir war alles zu viel, am liebsten wäre ich weggerannt.

Der Arzt für die Narkose stellte sich kurz vor und legte mir eine neue Flexüle. Er sagte mit rauer Stimme, das ich gleich schlafen würde und es nicht lange dauern würde. Ich schrie und bekam mich nicht mehr ein. Die Schwestern im OP fixierten mich und legten mir dann die Maske zum tiefen Einatmen auf meine Nase. Weg war ich.

Wann ich aus dem OP kam weiß ich nicht mehr, doch ich weiß das ich Jana Maiwald gegen 12.30 Uhr anrief um ihr zu sagen, dass wir sie bitte brauchen da unser Sohn still geboren wurde.

Wie ich diesen Anruf schaffte, kann ich bis heute nicht erklären. Ich hätte mir gewünscht das wir Jana und das Team von „Dein-Sternenkind“ nicht erneut in Anspruch hätten nehmen müssten.

Jana war wie immer ganz herzlich am Telefon und sagte mir, dass sie für uns da ist und sie kommen würde.

Ich sah meinen Mann mit unserem Sohn auf dem Arm. Es zerriss mir schier das Herz. Die Tränen meines Mannes waren so stark, dass er sie vor mir nicht verbergen konnte, obwohl ich weiß, dass er dies gern gewollt hätte.

Ich küsste ihn und sagte dass ich ihn liebe.

Ab da an ging es für mich bergab. Urplötzlich bekam ich heftigen Schüttelfrost, mein Mann schaute mich mit großen Augen an, die Angst stand Ihm im Gesicht geschrieben.

Ich bemerkte, dass mir schlecht wurde und ich konnte mich gerade noch so bemerkbar machen weil ich brechen musste. Schnell reichte die Hebamme einen „Brechschlauch“ und es schoss nur so aus mir raus. Es war sehr unangenehm und peinlich, denn ich traf meinen Mann.

Ich entschuldigte mich noch bei Ihm und er sagte: „Schatz, es ist alles gut!“

Der Schüttelfrost hielt, die Hebamme legte mir einen Lüfter Schlauch mit warmer Luft unter meine Bettdecke doch es wurde nicht besser.

Und dann kam das Fieber. 40.5..ich bekam sofort Medikamente per Infusion und Flüssigkeit.

Ich war schwach und völlig erschöpft.

Die Hebamme sagte uns, dass Frau Maiwald von „Dein-Sternenkind“ da sei und mein Mann mit Freyr zu ihr gehen dürfte, jedoch in einen anderen Raum und nicht im Kreißsaal bzgl. Corona.

Sie sagte meinem Mann, dass ich leider nicht mit könne da es mir so schlecht ging.

Mein Mann verabschiedete sich mit Freyr im Arm und mit einem Kuss bei mir und sagte:

„Bis gleich mein Schatz, ich liebe Dich“!

Durch mein Fieber und meine Erschöpfung schlief ich wohl ein, jedoch nur kurz.

Die OÄ und die Hebamme schauten nach mir und sagten mir, dass die OP gut verlief, ich jedoch viel Blut verloren hätte und es sehr kritisch um mich stand, da ich durch den Blasensprung von Freya und das grüne Fruchtwasser von beiden eine Sepsis entwickelt hatte.

Schlagartig standen mir wieder die Tränen im Gesicht und mir wurde bewusst, warum unsere Kinder ihren eigenen Weg gingen. Sie haben mir das Leben gerettet! Dieses Wissen macht jedoch den Verlust nicht wett und schon gar nicht einfacher.

Ich wusste nicht was ich sagen sollte und schaute die Hebamme an und fragte sie, ob ich auf Toilette könne und ob sie mir helfen könnte. Gemeinsam, Schritt für Schritt gingen wir den Flur entlang zur Toilette. Mir tat zwar alles weh, aber es ging dennoch.

Durch mein Fieber war ich jedoch klatsch nass von oben bis unten. Die Hebamme zog mich dann um als wir wieder zurück im Kreißsaal waren. Sie fragte mich einfühlsam wie es mir geht und ob sie mir was gutes tun könne.

Ich nickte und sagte ihr: „Bitte bringen Sie mich zu meinem Mann und meinen Sohn“!

Die OÄ, die ebenso im Raum war segnete dies ab, aber sagte, dass es bitte nicht zu lang sein soll und ich bitte den Rollstuhl verwenden soll.

„Danke“, sagte ich und die Hebamme setzte mich in den Rollstuhl.

Gemeinsam fuhren wir den langen Kreißsaalweg entlang, dabei hörte ich, dass auch andere Mütter gerade Ihre Kinder entbinden.

Ich hielt mir die Ohren zu, denn das war mir zu viel.

Die Hebamme brachte mich in den Raum in dem Jana Maiwald und mein Mann mit Freyr die Erinnerungsfotos machten. Jana begrüßte mich ganz herzlich und liebevoll. Mein Mann schaute mich an und ich wusste, er war froh, dass ich da war.

An den Satz von Jana kann ich mich heute noch erinnern:

„David schau, jetzt geht dein Wunsch doch noch in Erfüllung, es ist so schön“!

Ich fragte mich, was sie wohl meinte und dann sagte sie mir, dass sich mein Mann genau das gewünscht hatte, doch er damit nicht mehr gerechnet hatte, da es mir so schlecht ging.

Heute sage ich, das war purer Instinkt, denn ich wollte meinen Mann nicht allein lassen.

Auch er brauchte mich .

Mein Mann schaute mich an und fragte mich, ob ich Freyr haben möchte, er legte ihn mir in den Arm.

Unser Sohn lag in einer ganz hübschen gestrickten Decke von Jana.

Sie war perfekt denn in einem weißen Tuch wollte ich meinen Sohn nicht, das empfand ich ganz schlimm.

Jetzt ging es mir ein wenig besser, doch ich bemerkte, das mir die Schweißperlen auf der Stirn standen. Jana und ich kamen ins Gespräch, wir unterhielten uns mit ganz viel Vertrautheit, als ob wir uns schon lange kannten. Sie war uns nicht fremd, obwohl wir sie noch nie zuvor gesehen hatten.

Sie schwärmte von unserem Freyr, „der kleine Daumenlutscher“, so nannte sie Ihn liebevoll.

Sie fragte uns nach Wünschen bzgl. der Fotos, doch Wünsche hatten wir keine groß.
Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Jana bereits wundervolle Bilder von unserem Freyr gemacht hatte.

Durch diese Vertrautheit mit Jana bemerkten wir beide gar nicht, das Jana uns fotografierte, während wir unseren Sohn anschauten, ihn streichelten und miteinander weinten.

Man wusste zwar, dass Jana da war, doch wir fühlten uns mit ihr so wohl, dass wir uns dennoch allein fühlten.

Jana fragte uns ob wir seine Hand in unsere Hände und um unsere Finger legen möchten.

Dies war für uns natürlich klar, dass wir genau dies machen wollten, denn bei Freya haben wir das natürlich auch gemacht und was gab es schöneres als ähnliche Fotos unserer Kinder zu haben.

Jana fotografierte und wir kamen immer wieder ins Gespräch. Sie hatte eine ganz beruhigende Stimme und Art an sich die wir beide richtig toll fanden, das war Balsam für die Seele, die wir in diesem Moment auch brauchten.


Sie zeigte mir dann, dass sie etwas mitgebracht hat für Freyr, es war so lieb und so herzlich.

Ein kleiner Engel, doch nicht nur einen Engel, sondern sie hatte 2 dabei. Für Freyr und Freya.

Für Freyr hatte sie ebenfalls ganz kleine, super süße rote Söckchen mit.

Mein Mann sagte, „Schau Schatz, für jeden einen“.

Mir standen die Tränen erneut in den Augen.

Es war so liebevoll.

Eine Fotografin die andere begleitet die ihre Kinder verlieren und so selbstlos ist und Mitbringsel dabei hat.Ich war gerührt und sehr ergriffen.

Ein Danke reicht gar nicht dafür aus um das in Worte fassen zu können was wir tatsächlich gespürt haben und wie dankbar wir sind.

Leider drängte die Zeit für mich und ich musste mich langsam aber sicher von Jana verabschieden.

Ich bedankte mich ganz herzlich bei ihr und war froh das sie da war.

Mein Mann bedankte sie ebenso bei ihr und wir verabschiedeten uns.

Dass Jana & Stefan für uns noch lange eine wichtige Rolle spielen würden, wussten wir bis dahin noch nicht.

In den darauffolgenden Stunden nahmen wir in Ruhe und gemeinsam von unserem Sohn Freyr Abschied.

Der Verlust ist für uns nicht in Worte zu beschreiben, doch etwas gibt uns ein wenig Zuversicht:

„Nicht ohne den Anderen“.

Wir vermissen unsere Zwillinge Tag für Tag.

Sie werden niemals vergessen und immer in unserem Herzen sein.

Ein herzliches Dankeschön an „Dein-Sternenkind“ die es uns möglich gemacht haben Stefan & Jana zu koordinieren.

Ein herzliches Dankeschön an Stefan Heines, der uns bei unserer Tochter Freya zur Seite stand und wunderschöne Bilder gezaubert hat.

Ein herzliches Dankeschön an Jana Maiwald, die uns bei unserem Sohn Freyr zur Seite stand

und ebenso wunderschöne Bilder gezaubert hat und eine wundervolle Collage von beiden erstellt hat.

Ohne jeden einzelnen von Euch wären wir allein gewesen und hätten keinerlei wundervolle Erinnerungen, die so wichtig sind.

DANKE, DASS IHR FÜR UNS DA WART UND AUCH IMMER NOCH SEID

Und wer wissen möchte, wie der Einsatz aus Fotografensicht war, der darf gerne nächste Woche wiederkommen <3 


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