Joziah

Joziah

Ich, 36 Jahre alt, wollte nach meinem Ersten Sohn, der als Frühchen in der 28.SSW zur Welt kam, eigentlich kein Kind mehr. Doch dann kam der Mann mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen möchte und wir haben uns dazu entschlossen es zu probieren.

Dann kam der Tag der Tage, wir waren schwanger. Aber dann nach all der Freude kam der harte Schlag ins Gesicht. Freie Trisomie 21 + Megazystis ( Harnröhrenverengung) Die Trisomie 21 wurde durch eine Chorionzottenbiopsie festgestellt, also durch ein Stück meiner Plazenta festgestellt. Das wenige Fruchtwasser veranlasste den Arzt dazu uns mitzuteilen, das wir das Baby, unseren Sohn, jederzeit weg machen lassen können. Schock. Und ich hab jedem entgegen getrotzt, vergiss es, er darf bleiben so lange er will!!! Keine Begeisterung bei den Ärzten. Wir hatten eigentlich einen Termin in Köln, damit er einen Shunt in seine Blase bekommt, aber aufgrund der Trisomie sind "diese Kinder " nicht in diesem Programm eingeschlossen. Der super Arzt für dieses Fachgebiet meinte, der Kleine würde demnächst in meinem Bauch vertrocknen. Das war so ca.in der 11.ten SSW.
Wir haben es bis zur 22.ten weiter laufen lassen.....Am 11.Juli hatte ich mit 36 meinen ersten Epileptischen Anfall, da war meine Schulter leicht angebrochen...2 Tage später der nächste Anfall im Krankenhaus. Dank einer Schülerin, die mich danach gewaschen hat und sie den Arm hoch gerissen hat war der Bruch noch schlimmer. Am 18.Juli wurde meine Schulter operiert. Und das tapfere Babyherz hat weiterhin fest geschlagen. Am 24.Juli wurde ich entlassen und genau 1 Woche später hatte ich zuhause meinen 3.Anfall, dieses mal bin ich nicht im Bett gelegen wie die ersten Male. Ich saß am Küchentisch morgens um halb 7 das nächste was ich weiß, mein 14 Jähriger hatte den Notarzt gerufen, meine Freundin und die Nachbarn informiert...Bin mit dem rechten Auge wohl auf den Griff vom Herd geknallt, kein schöner Anblick. Orbitantbogenfraktur, jippie, aber sein Herz schlug immer noch kräftig weiter. Es wurde schon anfangs eine Schwangerschaftsassoziierte Epilepsie diagnostiziert, aber das wurde von einem "richtigen " Spezialisten widerlegt, weil ich nämlich gute 4 Wochen (12.9.19) nach der stillen Geburt meinen 4.ten Anfall hatte, seitdem hatte ich keinen mehr. Hätten die Ärzte schon beim ersten, spätestens zweiten Anfall reagiert und die Medis höher dosiert, naja, lassen wir das. Mein Großer hat mir 2 Mal das Leben gerettet. Mein Partner war immer da, obwohl wir 160 km auseinander wohnen. Meine Freundin und er haben mich im Krankenhaus versorgt, weil ich niemanden mehr an mich dran gelassen hatte, eher hab ich mich selbst gewaschen soweit es möglich war mit der Schulter.
Am 4.8.19 haben wir uns entschlossen die Geburt einleiten zu lassen, weil mein Partner Angst hatte, das mir noch mehr passieren könnte. Meine Angst hat mich zu dem Zeitpunkt beherrscht und hätte ich das Wissen gehabt das ich heute habe, hätte ich es nicht gemacht. Musste aber auch vernünftig sein und an meinen Sohn denken, der mich schließlich auch noch braucht.
Am 20.8.19 haben wir den kleinen Engel begraben.
Ich stelle mir immer wieder die selbe Frage, wieso hab ich nicht weiter gemacht? 2 Wochen länger und sie hätten alles medizinische veranlassen müssen um ihn am Leben zu erhalten.
Mein erster Sohn wurde in der 28.SSW geboren, 640 Gramm, 32 cm und 24 cm Kopfumfang.
Joziah wurde in der 22.SSW still geboren, mit 28 cm, 690 (692 Gramm laut Autopsiebericht) und 18 cm Kopfumfang.
Wir haben sehr lange auf den Bericht gewartet, erst war er nirgends zu finden, aber meine Frauenärztin hat ihn doch aufgetrieben. ..
Und als ich mir dieses ganze Fachchinesich übersetzte wurde mir klar, das dieser Eingriff sein Leben hätte retten können!!! Er war nämlich soweit gesund, bis auf die riesen Blase durch die Harnröhrenverengung die dann leider seine Nieren und Lungen kaputt gemacht haben .. es ist so grausam, das wegen der Diagnose Freie Trisomie 21 über ein unschuldiges kleines Menschenleben so entschieden wurde, das er kein Anrecht auf Leben hatte. Megazystis kommt so selten vor, das es kaum Berichte darüber gibt.
In der Nacht nach der stillen Geburt bekam ich gleich eine Cüretage, als ich nach Stunden endlich hoch aufs Zimmer kam war sie da, Regula Wolf. Ich bin ihr so dankbar für die wundervollen Bilder, die sie gemacht hatte. Ich werde sie für immer dafür in ehren und in meinem Herzen halten.

Trotzdem ist und bleibt er ein Wunder, weil sein kleines Herz trotz allen Strapazen weiter geschlagen hatte.. aber als er den schweren Weg nach draussen nahm, hat er seine ganze Kraft auf mich übertragen, damit zumindest ich aus dieser traurigen Lage mit dem Leben davon kam.


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