Unsere Fotografin Vivien erzählt

Unsere Fotografin Vivien erzählt

Mittwoch, der 02.06.2021, ich war gerade dabei mich für ein Treffen mit einer Freundin fertig zu machen, als um 16.43 Uhr, der mir so bekannte Alarmton auf meinem Handy ertönte.
Ich nahm den Einsatz an, weil ich wusste, dass meine Freundin Verständnis dafür hat, wenn ich etwas später kommen würde. In unserem Forum habe ich gelesen, dass es zwei Mädchen aus der 22. ssw sind, nachdem wir uns hier abgestimmt hatten, meldete ich mich in der Klinik an, wir vereinbarten, dass die Fotos am Donnerstag früh gemacht werden. Ich packte mir Perlengel in meine Kameratasche und stellte sie an die Tür.

Am nächsten Tag in der Früh machte ich mich also auf den Weg zur Klinik, für einen Morgen an einem Feiertag sehr voll auf den Straßen, destotrotz war ich zur vereinbarten Zeit im Krankenhaus angekommen.

Die unglaublich lieben Hebammen aus dem Städtischen Klinikum Dortmund empfingen mich liebevoll und brachten mich in einen leeren Kreißsaal. Sie hatten die Wassermethode angewandt und legten mir die beiden wunderschönen Mädchen Edda und Leah in ein weißes Handtuch. Sie legten mir ein Einschlagdeckchen für die beiden zur Seite, in das sie kommen werden.

Sie sahen aus wie gemalt, wunderschöne Mädchen.
„Was ist nur mit Euch passiert?“ fragte ich mich immer wieder. Sie sahen doch so perfekt aus.
Kurze Zeit später, kamen die Eltern zu mir in den Kreißsaal. Ich stellte mich vor und wir unterhielten uns eine Weile. Die Eltern erzählten mir, dass die Mama bereits einige Zeit im Krankenhaus verbrachte, weil eine Fruchtblase bereits gerissen sei - Strenge Bettruhe.

An dem Hochzeitstag der Eltern, kamen die beiden Engel, viel zu früh auf die Welt.
In der Zeit im Krankenhaus hat die Mama angefangen kleine Häkeltierchen für ein Mobile im Kinderzimmer zu häkeln. Zwei Pinguine und zwei Wale, diese hatten wir in die Bilder mit integriert, und es war alles stimmig. Unglaublich liebe Eltern, zwei wunderschöne Mädchen und alles in allem mit unglaublich viel Liebe.

Ich fotografierte erst Leah, dann Edda, beide zusammen, wie sie in ihrem Deckchen lagen – Hand in Hand. Und zum Schluss Bilder mit den Eltern.
Die Eltern baten mich ein Bild mit dem kleinen Blumengesteck zu machen, welches der Papa seiner Frau zum Hochzeitstag schenkte. Ich durfte eine kleine Blume daraus nehmen und lag diese den Beiden in die Hände. Dieses Blümchen wird nun von den Eltern getrocknet, als Erinnerung.

Nachdem wir viele Bilder gemacht hatten, machte ich mich auf den Weg nach Hause, bearbeitete die vielen Bilder, bestellte ein paar Abzüge und packte das Paket für die Eltern zusammen.

Einige Tage später brachte ich den Eltern das Paket mit den Bildern nach Hause. Sie baten mich rein, wir unterhielten uns und ich durfte die Große Schwester kennen lernen. In dem Gespräch grüßte mich die Mama von ihrem Vater, mein damaliger Lehrer. Ich bekam Gänsehaut am ganzen Körper, mir verschlug es einen kurzen Moment die Sprache, bis ich wirklich begriffen habe, was sie mir da eben sagte. Das ging mir in diesem Moment besonders nah und so hat dieser Einsatz für mich emotional noch einmal eine viel intensivere Bedeutung bekommen.

Die Momente, in denen ich die Familien auch im Nachhinein näher kennenlernen darf, das sind ganz besondere Momente für mich. Wir sind doch wildfremd und doch wird uns als Fotografen unglaubliches Vertrauen geschenkt. Vielen Dank für dieses unglaubliche Vertrauen.


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