Ben-Christopher

Ben-Christopher

Als ich den positiven Test in meiner Hand hielt, weinte ich sehr verzweifelt, der Zeitpunkt war denkbar schlecht für ein Baby.
Nach und nach gesellte sich jedoch eine Freude hinzu. Wir bekommen ein Baby, wow!
Ich ging voller Stolz zum Frauenarzt. Dieser fragte mich, ob ich es nicht wegmachen lassen wolle, ich sei ja noch sehr jung. Ich verneinte, ich sah den winzigen Herzschlag.

Niemand, außer meinem Mann teilte meine Freude. Es sah alles gut aus, das kleine Herz schlug unglaublich kräftig. Doch unser Weg sollte nicht so weit gehen. Am 11.09.2017, an meinem 25. Geburtstag und genau bei 13+0 bekam ich Blutungen, mein Baby verließ meinen Körper. Ich war so unsagbar traurig.

Meine Familie sagte "Du bist jung, das passiert schon mal. Ihr könnt es nochmal versuchen".

Meine Freundinnen sagten "Es ist besser so, du wolltest doch eh nie Kinder. Sei froh, dann hast du noch eine Zukunft ohne Klotz am Bein".

Mein Frauenarzt sagte "Es war noch so klein, stellen Sie sich nicht so an".

Aber was ist mit meinen Gefühlen? Ich liebte diesen kleinen Klecks auf den Ultraschallbildern schon so sehr, mein kleines Gummibärchen. Im Februar 2018 hielt ich erneut einen positiven Test in Händen.
Ich wusste nicht wie ich fühlen sollte. Glücklich? Traurig? Ich ignorierte meine Schwangerschaft bis zur 20. Woche. Wechselte zu einer netten Frauenärztin. Verbannte meine Freundinnen aus meinem Leben. Einen Tag vor unserer Hochzeit erfuhren wir, dass wir einen Sohn bekommen würden, die ganze Familie freute sich.

Am selben Abend schrieb ich einen Brief an mein verstorbenes Gummibärchen. Die Sonne ging glutrot unter, ich spürte eine Welle von Trauer und Liebe die meinen Körper ergriff. In diesem Moment wusste ich, dass ich einen Sohn bekommen hätte. Und dass sein Name Ben-Christopher war. Ich konnte loslassen. Ich wusste, er schickte mir das Baby in meinem Bauch.
Noch heute, um einen Sohn und eine Tochter reicher, denke ich oft an Ben-Christopher. Und an all die Menschen, die mir damals meine Gefühle absprachen. Weil ich eben noch nicht eine so weit fortgeschrittene Schwangerschaft hatte.

Dies geht an alle Sternenmamis: die Trauer die ihr verspürt, kommt von ureigener Liebe aus euch selbst. Nehmt dieses Gefühl an, es ist in Ordnung. Lasst euch eure Gefühle nicht absprechen, lasst euch von Menschen begleiten die euch gut tun.
Ich danke Dein-Sternenkind, ihr gebt den Familien mehr als ein Ultraschallbild und einen Streifen mit Urin. Ihr gebt echte Erinnerungen, echte Liebe und echte Ewigkeit. Alle Sternenkinder haben auf ewig einen Platz in unseren Herzen verdient. Danke ihr lieben Fotografen, dass es euch gibt!


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Gewinner des Publikumspreises 2017 vom




Gewinner Publikumspreises 2017 Smart Hero Award