Noah - Opa schickte dich und Opa holte dich

Noah - Opa schickte dich und Opa holte dich

Lange haben wir auf dich gewartet... 3 Jahre in denen jeder Test negativ ausfiel... Und dann, als dein Opa starb, hatten wir den positiven Test in der Hand. Wir freuten uns und wir wussten du bist ein Geschenk von Opa. Die Schwangerschaft verlief bis auf ein paar Magenprobleme super. Du solltest Fußball mit deinem großen Bruder in meinem Bauch und jeder freute sich auf dich. Insbesondere wir. Mama Papa und dein Bruder.

Dann kam der 05.01.2019. Nachts um 2 merkte ich wie etwas platzte. Ich dachte, es sei die Fruchtblase denn schließlich waren wir auch schon bei 36+1 SSW angelangt. Ich weckte deinen Papa, er soll deine Tante anrufen, um auf deinen Bruder aufzupassen. Papa ging in die Küche und rief an. Als er zurück kam, machte er das Licht an... es war nicht die Fruchtblase... aus mir lief Blut... Unmengen an Blut und es hörte nicht auf.
Sofort rief Papa den Rettungsdienst welcher nach 15 Minuten auch bei uns war.
Allerdings kam der Notarzt erst nach 20 Minuten und der Notarzt musste die Feuerwehr für Tragehilfe alarmieren da unser Flur einfach zu schmal war...
Bei jeder kleinsten Bewegung lief das Blut... einmal spürte ich dich noch und ich frage mich heute ob es der Moment war in dem du für immer einschläft...
Es war mittlerweile halb 4 morgens als ich im Krankenhaus ankam.. dein Papa musste separat mit Oma hinterher kommen wieso wissen wir nicht. Nun lag ich da. Allein in dem behandlungszimmer. Umgeben von Hebammen und Ärzten. Die Anästesie fragte mich alles mögliche für einen eventuellen notkaiserschnitt. Die Hebamme suchte deine Herztöne per Ctg. Nichts... Der Arzt machte Ultraschall und auch da nichts... man ließ mich allein mit dem Arzt. Welcher auf unmenschlicher Weise mit mir umging... er sagte lediglich zu mir: Habem sie mitbekommen das ihr Kind tot ist ja. Müssen wir nicht weiter drüber reden. So ließ er mich allein... die Hebamme hat mich abgeholt und mit meinem Bett ging es in den Kreißsaal. Sie sagte mir sie werden einleiten da es wichtig ist für mich für die Verarbeitung. Und so ließ auch sie mich alleine um alles vorzubereiten.
Dein Papa und deine Oma kamen und glaubten noch an all das gute... nun musste ich es ihnen sagen... das du mein Schatz, nicht lebend zu uns kommen wirst... Sie weinten... Wir weinten... Warum du? Warum du mein Schatz wo du solange auf sich warten lassen hast...
Die Hebamme kam wieder... sie hing mir sämtlichen Kram an die Flexülen. Bluttransfusionen, denn ich verlor weiterhin jede Menge Blut.
Und Wehenmittel.
Sie fing an, das Mittel laufen zu lassen und sofort hatte ich ununterbrochen nur noch Wehen... es waren die schlimmsten Schmerzen... körperlich und auch seelisch... so ging das also... Blut und Wehenmittel... beides wurde regelmäßig erneuert... bis Mittags um 13 Uhr. Der Arzt kam zwischendurch immer wieder und sagte immer wieder nur das es ihm zu langsam geht ich darf keine Schmerzmittel und ob das heute noch was wird...
Ich wusste, du brauchst einfach deine Zeit mein Schatz...
Gegen 13 Uhr bekam ich die letzte Dosis wehenmittel und nach einmal hinsetzen wurden die Schmerzen immer stärker... ich sollte auf das geburtsbett... bis ich da ankam war die Uhr 13:35 und plötzlich ging alles schnell... ich sah nach draußen. Es regnet. Ich presste ein letztes Mal und dann warst du da. Ich wollte dich sehen. Papa wollte dich sehen. Oma wollte dich sehen. Und das einzige was vom Arzt kam war. Wie sie wollen ihr Kind noch sehen wozu überhaupt.
Ich wollte mich verabschieden. Dich ansehen wie wunderschön du bist. Oma und Papa genauso... doch dies gewahr man uns nicht lange...
Nach 5 Minuten kam der Arzt wieder und fragte uns welches bestattungsinstitut wir nehmen möchten. Gleichzeitig bat er die Hebamme um einen Totenschein schließlich möchte er den ganzen scheis hier fertig haben... ich war entsetzt doch hatte ich keine Kraft um etwas zu sagen... nachdem wir uns von dir verabschiedet haben nahm dich die Hebamme mit und es war das schwerste was wir je tun mussten... man sagte uns das man nicht weiß wieso.
Man weiß nur, die Plazenta hat sich gelöst...
Solch ein Fall passiert auf 1 von 1000 Geburten... Warum dann du mein Schatz... du sahst so friedlich aus... schlafend... und ein absolutes Ebenbild von deinem Bruder...
Alles was wir haben ist eine Urkunde mit deinem Namen und ein Bild was verschwommen ist... wie gerne hätte ich mir Bilder von dir gewünscht. Es wäre das einzige Foto was ich von dir habe... wie gerne hätte ich von Dein-Sternenkind gewusst... doch niemand hat uns informiert... nachdem du da warst ließ man uns allein. Allein in all der Trauer und all dem Unwissen.
Heute wissen wir, dass dein Opa nicht allein sein wollte und dich bei sich haben wollte um gemeinsam auf uns und deinen großen Bruder aufzupassen. Und seit dem 15.01.2020 auch auf deine Schwester Amelie.
Und trotzdem fehlst du jeden Tag mein Schatz. Wir alle vermissen dich. Doch ich weiß, Opa wird dich so verwöhnen wie er es mit deinem Bruder auf Erden tat. Und ihr schickt uns jeden Tag die Sonne und euer Lachen.


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